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Vermögensverwaltung 2010

Von der Schwierigkeit, ausreichend Erträge zu erzielen

Das Jahr 2010 hat die Stiftung mit einem guten Überschuss von 548 T€ in der Vermögensverwaltung abgeschlossen. Allerdings sind die Einnahmen – wie bereits in den Vorjahren – erneut gesunken und zwar um 70 T€ auf 598 T€. Das entspricht einer Ausschüttungsrendite von 3,4% auf den durchschnittlichen Wertpapierbestand von 17,555 Mio. €. Diese Rendite ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Was ist die Ursache dafür?

Die Stiftung erzielt den größten Anteil ihrer Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren wie z.B. Pfandbriefen, Staatsanleihen verschiedener Länder und Unternehmensanleihen. Diese werden nicht nur direkt angelegt, sondern sind auch in den von der Stiftung gehaltenen Mischfonds die Hauptanlageform. Daher kann ein Vergleich mit der Umlaufrendite, also der durchschnittlichen Verzinsung aller am Markt gehandelten festverzinslichen inländischen Schuldverschreibungen aufschlussreich sein, wie die nachfolgende Grafik zeigt.

Vergleich der Umlaufrendite mit der Ausschüttungsrendite der Wertpapiere der Stiftung

Umlaufrendite

Da die Stiftung insbesondere in den ersten Jahren ihrer Existenz meistens über länger laufende Wertpapiere verfügte (durchschnittlich 7–10 Jahre) konnte sie in diesen Jahren von den hohen Renditen/Zinsen zu Beginn der 90er Jahre profitieren. Seit 2002 liegt die Umlaufrendite aber regelmäßig unter 5% und 2010 wurde mit 1,8% sogar einer neuer historischer Tiefststand erreicht, der aber nur sehr kurzfristig anhielt. Für die Stiftung wird es daher immer wichtiger, nicht nur das richtige Wertpapier zu kaufen, sondern auch noch zum richtigen Zeitpunkt.

Die Stiftung könnte natürlich höhere Erträge erzielen, in dem sie Anleihen kauft, die einen hohen Nominalzins haben, entweder weil sie ein höheres Risiko aufweisen oder weil sie zu einem Zeitpunkt aufgelegt wurden als die durchschnittliche Verzinsung gerade etwas höher war. Dies würde allerdings spätestens zum Zeitpunkt der Endfälligkeit der Anleihen dann Kursverluste bzw. Abschreibungskosten bedeuten, da Anleihen mit einem Zins über der Durchschnittsverzinsung nur mit einem Aufschlag von mehreren Prozent am Markt gekauft werden können. Dies kann daher nur im Ausnahmefall ein geeigneter Weg sein.

Eine weitere Alternative wäre mit Rentenpapieren zu spekulieren und auf die jeweiligen Kursentwicklungen zu setzen. Im August 2010 hätte das bedeutet, einen Großteil der Rentenpapiere zu verkaufen (da hohe Kursgewinne vorhanden waren) und zu einem späteren Zeitpunkt (wenn die Kurse gesunken bzw. die Zinsen gestiegen sind) Rentenpapiere neu zu kaufen. Angesichts der dabei anfallenden Kosten (für Verwaltung, Kauf und Verkauf der Wertpapiere) und der Nichtvorhersehbarkeit der Zinsentwicklung und der Marktentwicklung überhaupt, hat die Stiftung bisher (und plant es auch nicht) auf diese Möglichkeit verzichtet.

Stattdessen hat die Stiftung auch 2010 versucht, ihr Anleihen-Portfolio weiter zu diversifizieren und ethisch-ökologischer zu werden. So wurden eine Landesschatzanweisung, zwei Pfandbriefe (davon ein öffentlicher) und eine Unternehmensanleihe fällig, hierfür wurden eine Landesschatzanweisung, zwei Sparbriefe der gls-Bank und ein Genussschein der Umweltbank (Investition in einen Windpark) erworben. Die Zinsen für diese Papiere liegen zwischen 2,9% und 5,9% (abhängig vom Risiko der Anlage).

Entscheidender als die bloßen Einnahmen ist der Überschuss (nach Abzug von Kosten und Abschreibungen), der in der Vermögensverwaltung erzielt wird.

2010 sind die Ausgaben gegenüber dem Vorjahr leicht angestiegen, da höhere Abschreibungen (48 T€) als im Vorjahr (10 T€) anfielen. Die Mehrheitder Abschreibungen entfiel dabei auf Einzelaktien, deren Kurswerte sich zum Jahresbeginn um 31 T€ verminderten.

Der Überschuss in der Vermögensverwaltung verringerte sich dadurch auf 548 T€ (Vj. 656 T€). Von diesem Überschuss wurden 67% bzw. 368 T€ für die Fördertätigkeit der Stiftung zur Verfügung gestellt.

Die Inflation (Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes) stieg um 1,1%, der notwendige Inflationsausgleich in Bezug auf das nominale Stiftungskapital beträgt daher 185 T€. In die freie Rücklage eingestellt wurden 180 T€.

Das Stiftungsvermögen (Finanzanlagen nach Kurswerten und Guthaben bei Banken) betrug zum Jahresende 18.408 Mio. € und übersteigt damit das nominale Stiftungskapital um 1,552 Mio. €. Im Vergleich zum Jahresanfang erhöhte sich das Stiftungsvermögen um 255 T€ und damit um 1,4%.

Der Aktienanteil ist im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben und liegt bei 15,3%.

Schwerpunkt der Tätigkeit des Vorstands im Bereich der Vermögensverwaltung waren neben der Umschichtung von Finanzanlagen (rund 2 Mio. €) Fragen des ethischen Investments und der Darlehensvergabe. Der Rat beauftragte den Vorstand zudem mit der Erarbeitung einer neuen Anlagerichtlinie.

Im Bereich des ethischen Investments wurden folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Der Mischfonds DIT-Allianz-Flexi-Rentenfonds wurde in voller Höhe verkauft (rund500 T€) und hierfür Anteile an dem neu von Brot für die Welt initiierten und von südwind e.V. Institut für Ökonomie und Ökumene begleiteten Fair-World-Fonds erworben. Das Besondere an diesem Fonds ist, dass ihm entwicklungspolitische Kriterien zugrunde liegen und die Stiftung mit diesem Fonds ihre ideellenZwecke mit der Vermögensanlage verbinden kann.
  • DerBio-Bodenfonds GmbH & Co. KG (Gründerin und Gesellschafterin gls-Bank) wurde kurzfristig ein Darlehen zur Zwischenfinanzierung für den Kauf von Flächen von der BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, die ehemals volkseigene land- und forstwirtschaftliche Flächen in Ostdeutschland privatisiert) zur langfristigen Sicherung für den ökologischen Landbau und Naturschutz in der Uckermark zur Verfügung gestellt. Dieses wurde in der 2. Jahreshälfte durch die erfolgreiche Platzierung von Genussrechten durch die gls-Bank wieder abgelöst.
  • Die Rating-Agentur ökom, die auf die Bewertung der Nachhaltigkeit von Finanzanlagen spezialisiert ist, hat den Wertpapierbestand der Stiftung einer entsprechenden Analyse unterzogen und dem Vorstand damit wertvolle Hinweise für die Verbesserung der ethischen Qualität der Finanzanlagen gegeben. Als erste Konsequenz hieraus wurden Aktien von BASF verkauft und beschlossen, diese durch Aktien aus dem Spektrum des Global-Challenges-Index zu ersetzen.
  • Im Bereich Darlehen für Wohn- und Hausprojekte wurden vier Anfragen beraten und drei positiv entschieden. Allerdings kam das Darlehen an den Baobab-Infoladen nicht zur Auszahlung, da das Objekt kurzfristig anderweitig vom Eigentümer verkauft wurde.
  • Die Umschichtung einer Unternehmensanleihe (von Reuters) in einen Windpark-Genussschein sowie der Kauf von zwei gls-Sparbriefen an Stelle von Pfandbriefen reiht sich in die Maßnahmen zur Verbesserung des ethisch-ökologischen Profils der Stiftung ein. Der Erwerb einer weiteren Beteiligung („Saubere Kraftwerke") wurde geprüft, aber für nicht geeignet befunden.
  • Die Zusammenarbeit mit den Kritischen Aktionären wurde fortgesetzt und Stimmrechte von E.On, BASF, Allianz, Deutsche Bank, BMW, K+S und Continental übertragen. Auch das INKOTA-netzwerk e.V. nutzte im Rahmen der Kampagne für Saubere Kleidung Stimmrechte von Adidas und Puma.
 
 
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