Kindesschutz

Die Stiftung Nord-Süd-Brücken hat Ende 2019 eine eigene Kindesschutz-Richtlinie verabschiedet. Die Stiftung möchte damit die Auseinandersetzung mit der Thematik der Sicherung des Kindeswohls fördern und einen Beitrag zur Verbesserung des strukturellen Kindesschutzes in unserer Gesellschaft leisten.

Nach den Bestimmungen dieser Richtlinie muss auch bei der Förderung von Projekten durch die Stiftung Nord-Süd-Brücken von den geförderten Vereinen eine Kindesschutz-Richtlinie vorgelegt werden. Einige Fragen dazu werden hier beantwortet: 

Warum wird eine solche Richtlinie gefordert? 

Kinder sind unsere Zukunft, sie verdienen unseren besonderen Schutz, sie haben ein Recht darauf, unbesorgt und als mündige Bürger*innen aufzuwachsen. Sie sind zudem sowohl in der Auslandsprojektarbeit als auch in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit unmittelbare Zielgruppe von Vereinen und deren Haupt- und Ehrenamtlichen. Da zwischen Erwachsenen und Kindern ein strukturelles Machtungleichgewicht herrscht, haben (entwicklungspolitische) Vereine eine besondere Verantwortung für den Schutz und die Rechte von Kindern.

Eine Kindesschutz-Richtlinie soll diese Verantwortung in Worte fassen und allen im Verein Tätigen bekanntmachen. Schon die Erstellung erfordert es sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu überlegen, welche Strukturen es im eigenen Verein bereits gibt Kinder zu schützen und zu fördern und wie diese verbessert werden können. Außerdem hilft ein etabliertes Fallmanagement-System Verdachtsfälle ernstzunehmen und mit diesen profesionell umzugehen.

Wir empfehlen daher jedem Verein, der bei seiner Arbeit mit Kindern in Kontakt kommt, grundsätzlich eine solche Richtlinie für die eigene Institution zu erstellen und sie kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

Für eine Förderung durch die Stiftung Nord-Süd-Brücken ist sie Voraussetzung, wenn einer oder mehrere der nachfolgenden Punkte für das geplante Projektvorhaben zutreffen:

Wann muss eine Kindesschutz-Richtlinie vorgelegt werden?

Eine Richtlinie muss eingereicht werden wenn:

  • Kinder Zielgruppe des beantragten Projekts sind,
  • sich die Wirkung des Projekts direkt auf Kinder bezieht (zum Beispiel bei einem Schulbau)
  • es sich um eine Aus- oder Fortbildungen für Multiplikator*innen in der Kinder- und Jugendarbeit handelt. 

Die oben genannten Punkte beziehen sich jeweils nur auf das bei der Stiftung Nord-Süd-Brücken beantragte Projekt und nicht auf die generelle Arbeit des Vereins.  

Was sind die Mindestanforderungen an eine solche Richtlinie? 

Eine Kindesschutz-Richtlinie muss zu den Projekten, Kontexten, Strukturen und Hintergründen des jeweiligen Vereins passen und an diesen ausgerichtet sein. Deshalb gibt es nicht die eine "richtige" Vorlage, sondern die Richtlinie soll vielmehr das Ergebnis eines Diskussions- und Reflexionsprozesses sein. Es kann dabei beispielsweise hilfreich sein, sich Kindesschutz-Richtlinien von anderen Trägern anzusehen. 

Für eine erfolgreiche Prüfung durch die Stiftung Nord-Süd-Brücken müssen jedoch mindestens die drei folgenden Aspekte enthalten sein: 

  1. Ein Abschnitt zu den eigenen Präventionsmaßnahmen (inklusive Personalpolitik) des Vereins: hier soll beschrieben werden, welche Maßnahmen der Verein ergreift, um Kinder zu schützen. Beispielsweise können die Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses zur Auflage gemacht, Fortbildungen zu dem Thema durchgeführt oder eine Selbstverpflichtungserklärung erstellt werden. 
  2. Ein Abschnitt zum eigenen Fallmanagement: Ziel des Fallmanagement-Systems ist es, eine adäquate und schnelle Klärung der jeweiligen Situation zu ermöglichen und Fälle von Kindeswohlgefährdung frühzeitig zu erkennen. In diesem Abschnitt sollte ausgeführt werden, welche Schritte von wem wann ergriffen werden, sollte ein Verdachtsfall vorliegen und welche Konsequenzen ggf. zu ziehen sind. 
  3. Die offizielle Verabschiedung der Richtlinie durch eine Mitgliederversammlung oder den Vorstand (das Datum sollte in der Richtlinie festgehalten werden).

Bis wann muss die Richtlinie vorliegen?

Bis spätestens zum Mittelabruf soll eine Kopie der Kindesschutz-Richtlinie des Vereins eingereicht werden. Sollte dies nicht möglich sein (wenn beispielsweise der Vorstand oder die Mitgliederversammlung erst später im Jahr tagen) treten Sie bitte mit der zuständigen Projektkoordinatorin in Kontakt. Dann kann der Prozess der Entwicklung transparent dargestellt und die Richtlinie bis zum Abgabetermin des Verwendungsnachweises nachgereicht werden. In begründeten Ausnahmefällen kann die Richtlinie erst mit dem zweiten Projektantrag vorgelegt werden.

Generell gilt: Liegt keine Kindesschutz-Richtlinie vor, können die bewilligten Mittel nicht ausgezahlt werden.

Sollte sich die Richtlinie mit den Erfahrungen über die Jahre verändern, bitten wir bei neuen Anträgen stets die aktuelle Fassung einzureichen. 

Welche speziellen Anforderungen gelten bei EZ-Projekten? 

Bei EZ-Projekten muss der antragstellende Verein zusätzlich mit den Projektpartner*innen im Globalen Süden Leitlinien zum Kindesschutz mit in die Projektvereinbarung aufnehmen.

Wo finde ich Unterstützung bei der Selbstüberprüfung und der Erstellung einer Kindesschutz-Richtlinie?

Auf der rechten Seite unter Downloads finden Sie neben der Kindeschutzrichtlinie der Stiftung Nord-Süd-Brücken weitere hilfreiche Materialien und Muster für eine Selbstüberprüfung der eigenen Organisation und zu den Themen Risikoanalyse, Fall- und Beschwerdemanagement sowie Umsetzung in der Praxis.

Konkrete Hinweise zur Ausarbeitung einer Kindesschutz-Richtlinie finden Sie hier:

Zudem finden Sie weitere Links zum Thema bei:

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an uns!