Projekte der Entwicklungszusammenarbeit
Fragen zu gesellschaftlichen Voraussetzungen und Wirkungen von Projekten
Das folgende Frageraster sollte als Orientierung und Anregung verstanden werden, Voraussetzungen und Wirkungen von bestehenden partnerschaftlichen Kooperationen zu analysieren. Nicht jede der genannten Fragen mag für jedes Projekt oder jede Partnerschaft zu beantworten sein, im konkreten Fall mögen auch weitere Fragestellungen auftauchen. Auf die eher üblichen Fragen zu den technischen, fachlichen und finanziellen Projektabläufen wurde hier bewußt verzichtet.
Sinnvoll und notwendig wäre es, die Fragen und Probleme gemeinsam mit den jeweiligen Partnern im Süden zu diskutieren.
1. Grundlagen der Zusammenarbeit mit einer Partnerorganisation im Süden
Ausgangspunkt der Betrachtung sollte nicht ein eingegrenztes Vorhaben sein, sondern:
Welche Interessen, Ziele, Utopien verfolgen wir in der Zusammenarbeit mit der jeweiligen Partnerorganisation?
Welche Interessen, Ziele, Utopien hat unsere Partnerorganisation?
Wurden diese gegenseitigen Vorstellungen ausgetauscht?
Welche Kommunikationsformen bestehen zwischen uns, der Partnerorganisation und anderen Akteuren in dem betreffenden Land/ der betreffenden Region?
2. Soziale Gegebenheiten/Kenntnisse über die Wirklichkeit im Partnerland
2.1. Welche Rechte und faktischen Möglichkeiten haben Frauen und Männer hinsichtlich des Zugangs zu und der Kontrolle von
- sozialer Infrastruktur
- Land
- Produktionsmittel, Beratung und Ausbildung
- Kredit
und welche hinderlichen und förderlichen Berührungspunkte gibt es hier zum Projektgeschehen?
2.2. Über welche Einkommensquellen verfügen die vom Projekt berührten Männer und Frauen?
2.3. Wie hoch ist der Anteil weiblicher Haushaltsvorstände? Welche Konsequenzen kann dies für die konkrete Zusammenarbeit in Projekten haben?
2.4. Wie ist die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern organisiert?
2.5. Wie sind Mitsprache, Entscheidungsmacht und Status in Familie und Gesellschaft organisiert?
2.6. Wie sind Männer, Frauen, Jugendliche organisiert, in welchem Verhältnis stehen diese Organisationen zu gesellschaftlicher Gestaltungsmacht?
3. Projektidentifikation und Planung
3.1. Wie waren die am Projekt beteiligten Menschen, Männer und Frauen, an der Bestimmung der Projektziele beteiligt?
(Wer hat wie seine/ihre Interessen, Ziele, Bedürfnisse, Probleme benannt; wer hat wie die Entscheidung für das ausgewählte Projekt getroffen?)
3.2. Welche Planungsmethoden wurden genutzt, wie wurden die vom Projekt betroffenen Menschen, Männer, Frauen, Jugendliche, in die Planung einbezogen?
3.3. Wie und nach welchen Kriterien wurden die Verantwortlichkeiten für das Projekt festgelegt?
4. Verbindungen zwischen Projekt und gesellschaftlichem Umfeld
4.1. Mit wem steht das Projekt im Dialog, in welcher Form und mit Blick auf welche Perspektive?
4.2. Welche Beziehungen gibt es zwischen dem Projekt und den zuständigen staatlichen Strukturen?
Gibt es weitere staatliche oder nichtstaatliche Akteure, deren Aktivitäten auf das Projekt zurückwirken oder selbst vom Projekt berührt werden?
5. Monitoring/Projektsteuerung
5.1. Wie halten sich alle Beteiligten über das Projektgeschehen informiert und wie verständigen sich die Projektbeteiligten über Erfolge und Mißlungenes?
5.2. Wie und durch wen werden notwendige Veränderungen im Projektverlauf entschieden?
6. Wirkungen des Projektes
6.1. Trägt das Projekt dazu bei, die Rechte und Möglichkeiten von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zu und der Kontrolle von sozialen Infrastruktur, Land, Produktionsmittel, Beratung und Ausbildung, Kredit etc. zu verändern?
6.2. Enthält das Projekt systematische Begünstigungen oder Ausgrenzungen, durch die bestehende Ungleichheiten in den Möglichkeiten des Zugangs zu Einkommensquellen stabilisiert oder gar verschärft werden? Gelingt es dem Projekt, bestehenden Ungleichheiten deutlich entgegenzuwirken?
6.3. Wie wirken Projekt und die Geschlechterordnung der Arbeit aufeinander ein?
Wer macht was und kann deswegen gut oder eben nicht am Projektgeschehen teilhaben, und wenn nein oder unzureichend, wie läßt sich´s besser machen?
6.4. Wie wirken Mitsprachemöglichkeiten, Entscheidungsmacht und Status in Familie und Gesellschaft und das Projekt aufeinander ein?
6.5. Trägt das Projekt von seinem Gegenstand und der Art und Weise seiner Umsetzung dazu bei, die Situation gesellschaftlich weniger privilegierter Gruppen erlebbar zu verbessern?
6.6. Welche Rückwirkungen hat das Projekt auf bestehende Organisationsformen der verschiedenen sozialen Gruppen? Kann das Projekt ihre Stärke und Durchsetzungskraft fördern?
7. Perspektiven
7.1. Welches sind die wichtigsten Erfahrungen aus der bisherigen Zusammenarbeit?
7.2. Welche Erfolge wurden erreicht, welche Defizite haben wir erkannt?
7.3. Wie können gemeinsam gewonnene Erkenntnisse zukünftig umgesetzt werden?


